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Quelle: LEADER, Juni 2008 Text: Marcel Baumgartner Bild: Bodo Rüedi

Irgendwann wird Edgar Oehler seinen Platz räumen und eine Lücke hinterlassen. Auch wenn er sich bereits jetzt intensiv mit seiner Nachfolge beschäftigt, so wird sie niemals vollkommen ausfüllen, was Oehler in den vergangenenJ ahren geschaffen hat. Mag sein, dass die unternehmerischen Qualitäten erhalten bleiben. Mag sein, dass die AFG Arbo-nia-Forster-Holding AG weiter auf Erfolgskurs bleibt und wächst. Und es mag ebenfalls sein, dass ein anderer an seine Stelle tritt und unverblümt die Führung des FC St.Gallen kritisiert.Was aber schwer, nein, fast unmöglich sein wird ist, die Präsenz zu ersetzen, die Oehler stets einnimmt.

Unternehmer, Politiker, Sponsor

Das Fundament dafür hat er sich selber geschaffen,einerseits mit seinem abwechslungsreichen Lebenslauf, andererseits mit den wiederholten Meldungen über Zukäufe und Rekordumsätze. Das alleine wäre schon eine Würdigung wert. Hinzu kommen aber seine Aussagen und Analysen. Kein Wunder, sind die Medien erpicht darauf, eine Aussage von ihm – und sei es nur ein einziger Satz –zu ergattern. Die CVP verliert bei den Wahlen? Die Tageszeitung fragt beim Alt-Nationalrat Oehler nach. Für die Verleihung des «Ostschweizer Medienpreis» wird ein Referent gesucht? Ideal wäre der frühere Journalist und Chefredaktor Oehler. Der FC St.Gallen entlässt mal wieder einen Trainer? Was mag wohl der Hauptsponsor des neuen Stadions darüber denken?

"Druck auf mich wächst"

Bei all diesen Themen drängt sich Oehler niemals selber auf. Aber er bietet sich an. Denn bei ihm weiss man, voran man ist. Er hält sich nicht künstlich zurück. Wieso sollte er auch? Er hat den Berg bezwungen,und muss sich nicht davor in Acht nehmen, nirgendwo anzuecken um noch weiter nach oben zu kommen.Dafür erntet er auch immer wieder Kritik. Etwa für seine Aussage, er verstehe nichts von Fussball, hinterfrage aber sehr wohl die Führung vom FC St.Gallen. Die Antwort, wieso er das tut und darf, gibt Oehler gleich selber: «Ich darf die Ereignisse im FC St.Gallen nichtunkommentiert lassen. Die Arbonia-Forster-Gruppe ist Hauptsponsor der AFG-Arena und ab Sommer wichtigster Geldgeber des FC St.Gallen.Der Druck auf mich wächst, beim FC viel massiver einzugreifen. In der Tat verstehe ich wenig von Fussball – aber viel von Unternehmensführung.» Dieses Zitat stammt aus der NZZ am Sonntag vom vergangenen Oktober. Damals glaubten noch viele nicht an den Abstieg des Fussballclubs, sahen in Oehler den Unwissenden, der auf die Herren des Verwaltungsrates schoss. Nun, da sich die Spannung aufgelöst hat, der FC abstiegen wird, und das neue Stadion eröffnet ist, kann jeder sein Bild von damals revidieren.Wie gerne wäre man an den Gesprächen dabei gewesen, die Oehler mit dem Verwaltungsrat geführt hat.

Hoffnung erfüllte sich

Im Zusammenhang mit dem Fussball stand Oehler in letzter Zeit zweifelsohne am meisten im Rampenlicht. Und dabei ist dies eigentlich nur ein Nebenprodukt seines Erfolgs. Seine AFG wächst und wächst weiter – und das auf stabiler Basis. Oehler übernimmt Unternehmen, schafft Arbeitsplätze und setzt weiterhin auf den Standort Ostschweiz. Aber daran hat man sich schon fast gewöhnt. Und deshalb sind die Schlagzeilen in diesem Zusammenhang etwas kleiner geworden. Alleine die Auflistung seiner unternehmerischen Erfolge würde mehrere Seiten füllen. LEADER kürte Edgar Oehler 2003 zum Unternehmer des Jahres und setzte den Titel «Die Hoffnung der Ostschweiz». Diese Schlagzeile hat sichbewahrheitet.

 

Nachgefragt bei Unternehmer Edgar Oehler

Edgar Oehler, wann werden Sie sich vollkommenzurückgezogen haben?
Am Tage meiner Beerdigung! Im Unternehmen als CEO aber bereits nach dem Eintritt eines verantwortungsvollen und fähigen Nachfolgers.

Wird es dereinst eine Biografie über Sie geben?
Sicher nicht, zumal sie nicht lesenswert wäre.

Falls doch, wie sollte der Titel lauten?
Sollte es trotzdem noch einen längeren schriftlichen Nekrolog geben,dann
als Übertitel «Ein Unternehmer stirbt nicht, er geht»; und
als Untertitel: «Versuch einer politischen und wirtschaftlichen Leistung für die Zukunft».

Welches war die beste Schlagzeile, die Sie bisher übersich gelesen haben?
«Er will Ackergäule und keine Zirkuspferde» – in Anlehnung an meine Forderungen an Vorgesetzte

Welches wäre der Ratschlag, den Sie einem Jungunternehmer auf den Weg geben würden?
Wir sind zum Arbeiten und nicht zum Ferienmachen geboren. Nur die Leistung zählt. Die zu erbringen ist jeder von uns in der Lage. Wille vor Wunsch.

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